Schiffsversicherer und Piraterie

Neue Prämien und Söldnerdienste

Von Stefan Ruhkamp

Piraten auf einem chinesischen Handelsschiff im Indischen Ozean

Piraten auf einem chinesischen Handelsschiff im Indischen Ozean

20. November 2008 Die wachsende Zahl von Überfällen auf Handelsschiffe treibt die Kosten für die Reeder in die Höhe. Wer kann, weicht auf die hohe See aus und nimmt dafür längere Fahrtzeiten in Kauf. Die steigenden Kosten für den Versicherungsschutz lassen sich dadurch allerdings kaum vermeiden. Denn die Transportversicherer lassen sich das gestiegene Risiko einer Kaperung mit höheren Prämien bezahlen.

Nach Angaben von Maklern sind die Versicherungsprämien für Schiffe, die regelmäßig den Golf von Aden und den Suezkanal passieren, in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. Die Analysegesellschaft Chatham House spricht von einer Verzehnfachung der Preise. Pro Tag kann so die Versicherung größerer Schiffe mehrere zehntausend Dollar kosten. Über die genaue Höhe der Prämien sprechen Versicherer und Makler nur ungern. „Die Kosten für die Kasko- und Haftpflichtversicherung hängen stark von Typ und Alter des Schiffes ab, von der Reederei, den befahrenen Routen und dem Schadenverlauf in der Vergangenheit“, sagt ein Fachmann der Maklergesellschaft Marsh.

Kriegerische Akte?

Wegen der zunehmenden Piraten-Überfälle sei die Nachfrage nach Spezialversicherungen in den vergangenen Monaten stark gestiegen, teilt der Versicherer Hiscox mit, der eine Versicherung anbietet, die gegen alle von Piraten angerichteten Schäden absichert, inklusive der Kosten für die Übergabe des Lösegelds und die Beratung der Mannschaft.

Was eine Versicherung zahlt, kann bei den üblichen Policen nämlich umstritten sein. In den Kasko-Policen, die Schäden des Schiffes abdeckt, ist Piraterie häufig eingeschlossen, wobei die Haftungssumme allerdings auf 2,5 Millionen Dollar begrenzt ist. Häufig ist strittig, ob ein Angriff nicht doch ein kriegerischer Akt ist, wodurch andere Policen betroffen wären, sofern diese vom Reeder abgeschlossen worden sind. Im Mai haben die Versicherer den Golf von Aden zum Kriegsgebiet erklärt. Das schafft Klarheit für dieses Seegebiet, erhöht aber auch die Prämien für Schiffe, die zum Suezkanal müssen.

Details bleiben geheim

Nach Angaben des International Maritime Bureau - einer auf See-Kriminalität spezialisierten Abteilung der Internationalen Handelskammer - sind allein im Sommer für 26 Entführungen rund 30 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt worden. Das Lösegeld muss nicht einmal die größte Last sein. Ebenso teuer können Verzögerungen und Schäden an der Ladung sein. Ein großer Stückgutfrachter kostete zeitweise eine Tagesmiete von rund 100.000 Dollar. Wegen der bevorstehenden Rezession sind zwar die Charterkosten stark gefallen. Dafür drohen aber immer noch Vertragsstrafen bei verspäteter Ankunft im Zielhafen. Außerdem kann zum Beispiel bei einem Kühlfrachter die Ladung verderben. Bisher haben Haftungsfragen nach Entführungfällen offenbar keine große Rolle gespielt. Denkbar ist aber auch das - zum Beispiel für den Fall, dass Piraten einen Teil der Ladung eines Öltankers ins Meer pumpen, um den Druck zu erhöhen.

Diesmal schlugen die Piraten im Golf von Aden zu

Diesmal schlugen die Piraten im Golf von Aden zu

Manche Reedereien erwägen offenbar für Fahrten in der Nähe der westafrikanischen Küste das Engagement von Sicherheitsdiensten. Die Kosten dafür werden auf 60.000 Dollar je Fahrt geschätzt. Der Versicherer Lloyd's bietet dafür sogar eine eigene Police an. Teil des Vertrags, der für sieben Tage die Route über den Suezkanal und den Golf von Aden absichert, ist das Angebot, dass bewaffnete Sicherheitskräfte mitreisen. Wie viele dafür notwendig sind und wie sie bewaffnet sind, hänge von der Größe des Schiffes ab, heißt es bei der Sicherheitsgesellschaft Hart, die mit Lloyd's zusammenarbeitet. Details seien geheim, weil man den Piraten keinen Einblick geben wolle. Hart beschäftigt ehemalige britische Marinesoldaten. Reeder, die für ihr Schiff die Wächter engagieren, zahlen etwa 20 bis 30 Prozent weniger Prämie an Lloyd's.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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